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“Psychologen sind nur für Verrückte”: Wie eine Tochter dieses Tabu sprengte

“Psychologen sind nur für Verrückte”: Wie eine Tochter dieses Tabu sprengte

Jahrelang hatte Nadja die Vorstellung, dass Psychologen nur für “Verrückte” seien. Diese Ansicht, die in ihrer Familie tief verwurzelt war, hielt sie lange davon ab, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Doch dann kam der Moment, an dem sie erkannte, dass sie diese Denkweise überwinden musste – für ihre eigene psychische Gesundheit.

Heute hilft Nadja anderen jungen Menschen dabei, genau diese Angst vor Stigmatisierung abzulegen. Denn psychische Gesundheit ist in der Gesellschaft so präsent wie nie zuvor – auf Plattformen wie TikTok wird offen darüber gesprochen. Aber in vielen Familien herrscht noch immer Schweigen, wenn es um das Thema geht.

Eine Generation im Stress: Zahlen, die weh tun

Studien zeigen, dass die psychische Belastung gerade bei jungen Erwachsenen deutlich zugenommen hat. Laut einer Umfrage der Krankenkasse DAK leiden 44 Prozent der 18- bis 25-Jährigen an Depressionen oder Angststörungen. Vor zehn Jahren lag dieser Wert noch bei 28 Prozent. Auch Burnout-Syndrome und andere psychische Erkrankungen breiten sich in dieser Altersgruppe zunehmend aus.

Viele junge Menschen fühlen sich überfordert vom hohen Leistungsdruck in Schule und Beruf, aber auch vom Erwartungsdruck der Eltern. Hinzu kommen Sorgen um die Zukunft, die durch Krisen wie die Corona-Pandemie noch verstärkt werden. Doch die Hemmschwelle, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, bleibt hoch.

Nadja kennt diese Hürden nur zu gut. “Meine Eltern haben mir immer eingebläut, dass man Probleme am besten selbst löst und keine Schwäche zeigt”, erzählt sie. “Therapie galt in unserer Familie als Zeichen von Versagen.”

“Reiß dich zusammen”: Wie alte Glaubenssätze junge Seelen blockieren

Für viele junge Menschen sind solche Sätze wie “Reiß dich zusammen” oder “Das geht schon wieder vorbei” prägend. Sie vermitteln das Gefühl, dass psychische Probleme bagatellisiert oder ignoriert werden. Gleichzeitig entsteht der Druck, Stärke zu zeigen und die eigenen Gefühle zu unterdrücken.

Doch je mehr Nadja sich mit dem Thema auseinandersetzte, desto klarer wurde ihr, wie schädlich solche Glaubenssätze sein können. “Ich habe gelernt, dass psychische Gesundheit genauso wichtig ist wie körperliche Gesundheit”, sagt sie. “Und dass es absolut normal und sogar mutig ist, Hilfe in Anspruch zu nehmen.”

Diesen Wandel möchte Nadja nun an andere weitergeben. Mit ihrer offenen Art und ihren Erfahrungen möchte sie jungen Menschen den Weg zu professioneller Unterstützung ebnen.

Wenn TikTok über Gefühle spricht – aber die Familie schweigt

In sozialen Medien wie TikTok wird das Thema psychische Gesundheit inzwischen viel stärker thematisiert als noch vor einigen Jahren. Viele junge Menschen nutzen die Plattformen, um ihre Erfahrungen zu teilen und Solidarität zu zeigen.

Doch zuhause sieht die Realität oft anders aus. “In meiner Familie wurde über Gefühle und Probleme einfach nicht gesprochen”, erzählt Nadja. “Das Motto war: Kopf hoch, weiter geht’s. Psychische Erkrankungen galten als Schwäche.”

Dieses Schweigen in den eigenen vier Wänden kann für Betroffene sehr belastend sein. Oft fühlen sie sich alleingelassen und trauen sich nicht, Hilfe einzufordern. Doch genau das möchte Nadja ändern – sowohl in ihrem direkten Umfeld als auch darüber hinaus.

Der Wendepunkt: Ein Anruf, der alles verschiebt

Für Nadja selbst war es ein Anruf ihrer besten Freundin, der alles veränderte. “Sie sagte mir, dass sie sich nicht mehr gut fühle und professionelle Hilfe in Anspruch nehmen möchte. Das hat mich sehr getroffen”, erinnert sie sich.

In diesem Moment wurde Nadja klar, dass es an der Zeit war, ihr eigenes Stigma gegenüber Psychotherapie zu überwinden. “Ich habe realisiert, dass Schwäche zeigen nicht gleichbedeutend mit Versagen ist. Im Gegenteil – es erfordert Mut, sich Hilfe zu suchen.”

Also fasste Nadja den Entschluss, selbst einen Termin bei einem Psychotherapeuten auszumachen. Auch wenn sie anfangs Bedenken hatte, war es letztendlich der beste Schritt, den sie machen konnte.

Was Eltern jetzt lernen müssen

Alte Denkmuster Neue Perspektiven
“Psychische Erkrankungen sind Schwäche.” “Psychische Gesundheit ist genauso wichtig wie körperliche Gesundheit.”
“Man muss seine Probleme alleine lösen.” “Es ist mutig, Hilfe in Anspruch zu nehmen.”
“Therapie ist nur etwas für Verrückte.” “Professionelle Unterstützung kann ein wichtiger Schritt sein.”

Nadja weiß, dass es nicht einfach ist, solche tief verwurzelten Überzeugungen zu ändern. Aber sie ist überzeugt, dass ein offener Umgang mit dem Thema psychische Gesundheit entscheidend ist – nicht nur für junge Menschen, sondern auch für deren Eltern.

“Viele Eltern haben selbst Hemmungen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dabei können sie eine wichtige Vorbildfunktion einnehmen”, sagt sie. “Wenn Mütter und Väter lernen, Gefühle zuzulassen und Schwäche zu zeigen, kann das ganze Familien verändern.”

Warum der Satz „Therapie ist nur für Kranke” so gefährlich ist

“Psychische Erkrankungen können jeden treffen – unabhängig von Alter, Herkunft oder Bildungsstand. Ihnen vorzubeugen, sie frühzeitig zu erkennen und angemessen zu behandeln, sollte eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sein.”

– Dr. Matthias Seibt, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie

Laut Experten wie Dr. Matthias Seibt ist es wichtig, Hemmschwellen abzubauen und Therapie als präventives Instrument zur Erhaltung der psychischen Gesundheit zu verstehen. “Doch leider wird Psychotherapie immer noch oft als Heilmittel für ‘Kranke’ wahrgenommen”, sagt der Psychiater.

Tatsächlich können regelmäßige Gesprächstermine bereits dabei helfen, Krisen vorzubeugen und mit Stress besser umzugehen. Gerade für junge Menschen, die sich in einer prägenden Lebensphase befinden, kann professionelle Unterstützung entscheidend sein.

Wie junge Erwachsene erste Schritte zu Hilfe finden können

“Der erste Schritt ist oft der schwierigste. Aber es gibt viele niedrigschwellige Angebote, die Betroffenen den Einstieg erleichtern können – von Online-Selbsttests bis hin zu kostenlosen Erstgesprächen.”

– Antonia Becker, Psychologische Beraterin

Laut Antonia Becker ist es wichtig, dass junge Menschen Anlaufstellen kennen, an die sie sich wenden können. “Viele wissen gar nicht, wo sie anfangen sollen. Dabei gibt es inzwischen so viele gute Möglichkeiten, um erste Schritte in Richtung Hilfe zu machen.”

Neben klassischen Psychotherapeuten bieten etwa Studentenwerke, Jugendhilfeorganisationen oder auch Online-Portale wie “Seelenkino” niedrigschwellige Beratungsangebote an. Dort erhalten Ratsuchende eine erste Einschätzung und Empfehlungen für das weitere Vorgehen.

Und auch Nadja sieht ihre Aufgabe darin, andere junge Menschen auf diesem Weg zu unterstützen. “Ich möchte zeigen, dass es völlig normal ist, Hilfe in Anspruch zu nehmen – und dass es sogar eine Stärke sein kann.”

Warum die leisen Revolten der Kinder ganze Familien verändern

“Wenn Kinder beginnen, über ihre psychische Gesundheit zu sprechen, kann das ein wichtiger Anstoß für einen Mentalitätswandel in Familien sein. Manchmal braucht es diese kleinen Revolten, damit Eltern umdenken.”

– Prof. Dr. Annika Schreiber, Familienforscherin

Laut Expertenmeinung können gerade Kinder und Jugendliche eine entscheidende Rolle dabei spielen, dass Tabus rund um psychische Gesundheit aufgebrochen werden. “Oft sind es die jüngeren Familienmitglieder, die als Erste beginnen, offen über ihre Gefühle zu sprechen”, sagt Familienforscherin Prof. Dr. Annika Schreiber.

Wenn Eltern dann mit dieser neuen Offenheit konfrontiert werden, könne das den Anstoß für einen Mentalitätswandel geben. “Manchmal braucht es diese kleinen Revolten der Kinder, damit Mütter und Väter umdenken und lernen, Schwäche zu zeigen und Hilfe anzunehmen.”

Nadja hat diese Erfahrung selbst gemacht. Indem sie ihre Geschichte teilte und ihre Sichtweise erklärte, konnte sie auch ihre Eltern dazu bringen, ihr Verständnis von psychischer Gesundheit zu überdenken.

FAQs: Erste Schritte zu mehr Offenheit und Selbstfürsorge

Wie kann ich erste Kontakte zu Beratungsstellen knüpfen?

Es gibt viele niedrigschwellige Angebote, um erste Schritte zu machen – von Online-Selbsttests bis hin zu kostenlosen Erstgesprächen. Informieren Sie sich am besten bei Ihrer Krankenkasse, in Ihrer Stadt oder über Portale wie “Seelenkino”.

Meine Eltern verstehen das Thema nicht. Wie kann ich sie einbeziehen?

Sprechen Sie offen mit Ihren Eltern über Ihre Erfahrungen und Bedürfnisse. Erklären Sie ihnen, warum professionelle Unterstützung für Sie wichtig ist. Vielleicht können Sie gemeinsam Informationsangebote sichten und erste Schritte besprechen.

Woher weiß ich, ob eine Therapie der richtige Weg für mich ist?

Ein unverbindliches Erstgespräch gibt Ihnen die Möglichkeit, Ihre Situation einschätzen zu lassen und gemeinsam mit dem Therapeuten oder der Therapeutin mögliche nächste Schritte zu besprechen. Vertrauen Sie auf Ihr Bauchgefühl.

Wie kann ich meine psychische Gesundheit im Alltag stärken?

Regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf, eine ausgewogene Ernährung und soziale Kontakte sind wichtige Faktoren. Auch Methoden wie Achtsamkeit, Meditation oder Kreativität können hilfreich sein. Finden Sie heraus, was Ihnen guttut.

Was, wenn ich Angst vor Stigmatisierung habe?

Viele Menschen haben solche Befürchtungen. Aber je offener wir über psychische Gesundheit sprechen, desto mehr Verständnis und Akzeptanz kann entstehen. Konzentrieren Sie sich zunächst darauf, Ihr persönliches Umfeld für das Thema zu sensibilisieren.

Wie finde ich den richtigen Therapeuten oder die richtige Therapeutin?

Informieren Sie sich am besten über verschiedene Anbieter und lassen Sie sich von Ihrer Krankenkasse beraten. Ein persönliches Erstgespräch gibt Ihnen die Möglichkeit, herauszufinden, ob die Chemie stimmt und ob der Therapeut zu Ihnen passt.

Wie kann ich meine Angehörigen unterstützen?

Zeigen Sie Verständnis und Geduld. Ermutigen Sie Ihre Angehörigen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen – aber drängen Sie sie nicht. Informieren Sie sich selbst über das Thema, um Ihnen eine Stütze sein zu können.

Was, wenn meine Eltern meine Therapie nicht akzeptieren?