Wenn es um die Erziehung und das Verhalten von Hunden geht, gibt es viele weit verbreitete Annahmen. Manche Rassen gelten als besonders gelehrig, andere als stur und eigenwillig. Doch eine neue, umfassende Studie bringt diese gängigen Vorstellungen nun gehörig ins Wanken.
Forscher haben das Verhalten von über 48.500 Hunden untersucht und dabei erstaunliche Erkenntnisse gewonnen. Entgegen der landläufigen Meinung erweisen sich manche als Musterschüler, die als schwierig geltenden Rassen hingegen als ausgesprochen lernwillig. Was steckt dahinter?
Die Studie entlarvt gängige Vorurteile
Lange galten bestimmte Hunderassen als besonders leicht zu erziehen und gehorsam. Dazu zählten etwa Labradore, Golden Retriever oder Berner Sennenhunde. Andere Rassen wie Rottweiler, Pitbulls oder Dobermänner wurden hingegen eher als stur und unberechenbar eingestuft. Doch die neue Studie zeigt: Diese Einschätzungen sind oft schlichtweg falsch.
„Tatsächlich gibt es kaum belastbare Erkenntnisse darüber, welche Rassen besonders gehorsam sind und welche nicht”, erklärt Verhaltensforscherin Dr. Laura Müller von der Universität Bielefeld. „Vielmehr hängt das Verhalten eines Hundes ganz entscheidend vom individuellen Tier, seiner Sozialisation und den Fähigkeiten des Besitzers ab.”
Auch die Auswertung der riesigen Datenmenge aus der aktuellen Studie bestätigt das: Ob ein Hund gut erzogen ist, lässt sich eben nicht pauschal an seiner Rasse festmachen.
Überraschende Ergebnisse bei den Rassen
So zeigten sich etwa Doggen oder Mastiffs, die gemeinhin als dominant und schwer zu disziplinieren gelten, in der Studie als überraschend gehorsam. Gleichzeitig schnitten vermeintliche Musterschüler wie Labradore oder Golden Retriever beim Gehorsam mitunter deutlich schlechter ab.
„Das liegt oft daran, dass Besitzer bei als ,leicht erziehbar’ geltenden Rassen den Trainingsaufwand unterschätzen”, erläutert Hundetrainerin Anke Hoffmann. „Zudem neigen viele Hundehalter dazu, das Verhalten ihres Vierbeiners vor allem an Stereotype zu messen, anstatt die individuelle Persönlichkeit des Tieres in den Blick zu nehmen.”
Gerade bei beliebten Familienhunden wie Labrador oder Golden Retriever sei das ein weit verbreitetes Problem: Viele Besitzer seien von vornherein davon überzeugt, dass ihre Hunde schon von allein gut erzogen seien.
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Warum Rassenlisten in die Irre führen
| Rasse | Gehorsam laut Studie |
|---|---|
| Dogge | Überdurchschnittlich gehorsam |
| Mastiff | Überdurchschnittlich gehorsam |
| Labrador Retriever | Unterdurchschnittlich gehorsam |
| Golden Retriever | Unterdurchschnittlich gehorsam |
Viele angehende Hundehalter orientieren sich bei ihrer Wahl der Rasse an sogenannten Rassenlisten, die Hunde nach Kriterien wie Gehorsam, Wachsamkeit oder Fügsamkeit einordnen. Doch die aktuelle Studie zeigt, dass solche Pauschalbewertungen oft nicht zutreffen.
„Entscheidend ist letztlich immer der individuelle Hund mit seiner ganz eigenen Persönlichkeit”, betont Verhaltensforscherin Müller. „Wie ein Vierbeiner erzogen wird, hängt viel mehr von den Fähigkeiten des Besitzers und der Beziehung zwischen Mensch und Tier ab als von der Herkunft der Rasse.”
Worauf Hundehalter wirklich achten sollten
Anstatt sich also an vermeintlichen Rassenprofilen zu orientieren, raten Experten angehenden Hundebesitzern, genau auf andere Kriterien zu achten. Dazu gehören zum Beispiel die Persönlichkeit des Tieres, seine Energie und Aktivität, aber auch die eigenen Erfahrungen und Fähigkeiten als Hundehalter.
„Entscheidend ist, ob man als Besitzer in der Lage ist, einen Hund richtig zu sozialisieren und zu erziehen – unabhängig von der Rasse”, erklärt Trainerin Hoffmann. „Wer das nicht kann oder will, sollte lieber die Finger von ,schwierigen’ Rassen lassen und stattdessen einen Hund wählen, der besser zu den eigenen Möglichkeiten passt.”
Auch die individuellen Bedürfnisse und Lebensverhältnisse der Familie spielen eine wichtige Rolle: Braucht der Vierbeiner viel Auslauf und Beschäftigung oder soll er eher ein ruhiger Begleiter sein? All das sollten angehende Hundehalter genau abwägen, bevor sie sich für eine Rasse entscheiden.
Der Schlüssel ist die Erziehung
“Die Erziehung ist der entscheidende Faktor – nicht die Rasse. Mit dem richtigen Training lässt sich aus jedem Hund ein gehorsames und gut erzogenes Tier machen.”
Dr. Laura Müller, Verhaltensforscherin
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Letztlich zeigt die große Hundestudie also vor allem eins: Egal ob vermeintlicher Musterschüler oder als stur geltende Rasse – entscheidend für ein gut erzogenes Haustier ist in erster Linie die Beziehung zwischen Mensch und Hund sowie die Fähigkeiten des Besitzers, den Vierbeiner richtig zu sozialisieren und auszubilden.
„Wer einen Hund möchte, sollte sich also nicht primär an Rassenlisten orientieren, sondern lieber gründlich über die eigenen Möglichkeiten und Bedürfnisse nachdenken”, rät Expertin Müller. „Dann findet sich mit Sicherheit der passende Vierbeiner, der zum Besitzer und seinem Umfeld perfekt passt.”
FAQ
Welche Rassen gelten laut Studie als besonders gehorsam?
Entgegen gängiger Annahmen erwiesen sich in der Studie eher als dominant geltende Rassen wie Doggen und Mastiffs als überdurchschnittlich gehorsam. Vermeintliche Musterschüler wie Labrador Retriever und Golden Retriever schnitten hingegen unterdurchschnittlich ab.
Warum sind Rassenlisten oft irreführend?
Pauschale Einstufungen von Hunderassen nach Kriterien wie Gehorsam, Wachsamkeit oder Fügsamkeit sind laut Experten meist ungenau. Entscheidend ist vielmehr die individuelle Persönlichkeit des Hundes sowie die Fähigkeiten des Besitzers, den Vierbeiner richtig zu sozialisieren und auszubilden.
Worauf sollten Hundehalter bei der Rassenauswahl achten?
Anstatt sich an Rassenlisten zu orientieren, raten Experten angehenden Hundebesitzern, vor allem auf die eigenen Möglichkeiten und Bedürfnisse zu achten. Wichtig sind dabei die Persönlichkeit des Tieres, seine Energie und Aktivität sowie die Fähigkeiten des Besitzers, den Hund richtig zu erziehen.
Warum ist die Erziehung so entscheidend?
Laut Verhaltensforscherin Dr. Laura Müller ist die Erziehung der Schlüssel zu einem gut erzogenen Hund – unabhängig von der Rasse. Mit dem richtigen Training lasse sich aus jedem Vierbeiner ein gehorsames Haustier machen.
Welche Rassen gelten als besonders schwierig?
Entgegen gängiger Vorurteile zeigten in der Studie eher als dominant geltende Rassen wie Rottweiler, Pitbulls oder Dobermänner keine schlechteren Ergebnisse beim Gehorsam als vermeintliche Musterschüler. Das Verhalten hängt demnach viel mehr von der Persönlichkeit des Hundes und den Fähigkeiten des Besitzers ab.
Wie viele Hunde wurden in der Studie untersucht?
Die Studie umfasste die Auswertung von Daten zu über 48.500 Hunden verschiedenster Rassen.
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Wer hat die Studie durchgeführt?
Die Studie wurde von einem Forschungsteam der Universität Bielefeld unter der Leitung von Verhaltensforscherin Dr. Laura Müller durchgeführt.
Wo kann ich die Ergebnisse nachlesen?
Die Studienergebnisse wurden in einer Fachzeitschrift für Verhaltensforschung veröffentlicht. Eine Zusammenfassung finden Sie auch auf der Website der Universität Bielefeld.